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Agile Verwaltung - Geschichte und Prinzipien der Agilität

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Agile Verwaltung - Geschichte und Prinzipien der Agilität

Autor
Ivan Jung
Datum

"Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen überholen die Langsamen." Dieses Zitat von Eberhard von Kuenheim trifft den Zeitgeist: Die Beschleunigung im Zuge der Digitalisierung der modernen Gesellschaft wirkt sich stark auf die Art und Weise des Wirtschaftens aus. Wie sich diese Umwälzungen auch auf den öffentlichen Sektor auswirken, möchten wir mit  unserer neuen Blogreihe "Die agile Verwaltung" beleuchten. Beginnen möchten wir mit einer Begriffsdefinition von Agilität. Vom Allgemeinen kommen wir sodann zum speziellen und stellen die besonderen Anforderungen an agile Arbeitsmethoden im E-Government heraus.

Agil-Schema: Entstehung von agilen Prinzipien

Der Begriff „Agilität“ scheint in der Managementliteratur gerade einen gewissen Hype zu genießen. Dabei findet der Begriff und das Konzept der Agilität bereits seit den 1950er Jahren Anwendung. Das Agil-Schema geht auf die Arbeiten zum Funktionalismus des Soziologen Talcott Parsons zurück. Parsons hat vier Fähigkeiten identifiziert, die ein System erfüllen muss, um auf sich verändernde (äußere) Bedingungen reagieren zu können. 

Diese lauten:

Anpassung an Veränderung (Adaption)
Ziele definieren und verfolgen (Goal Attainment)
Zusammenhalt herstellen und absichern (Integration)
Aufrechterhaltung von grundlegenden Strukturen und Werten (Latency)
Aus den Anfangsbuchstaben dieser Prinzipien formte Parsons den Begriff „Agil“ und benannte so sein "Agil-Schema".

Agilität und Wirtschaft

Die Geschwindigkeit nimmt in heutigen Märkten eine immer stärkere Bedeutung ein. Innovationszyklen verkürzen sich, Monate können über Erfolg oder Misserfolg des Produktes entscheiden. Größe allein gibt keiner Unternehmung mehr Sicherheit am Markt zu bestehen. Ein kleines und wendiges Startup kann so einen etablierten Konzern herausfordern. Interne Arbeits- und Organisationsstrukturen müssen derart beschleunigt werden, dass Produkte und Services schneller Marktreife erlangen. Der permanente Wandel wird zur Norm. Geschwindigkeit ist dabei kein Wert an sich, die Schaffung von Werten und die Lösung von Problemen sollte immer Vordergrund stehen. Das alles hat zur Folge, dass sich auch die Unternehmenskultur grundlegend ändern muss. Die fortlaufende Digitalisierung fordert und fördert gleichzeitig die agile Transformation im Sinne Parsons.

Gleichzeitig ändert sich die Arbeitswelt. Mitarbeiter möchten nicht mehr Erfüllungsgehilfen sein, sondern fordern Eigenverantwortlichkeit und Mitsprache. Gerade die besten und leistungsfähigsten Mitarbeiter werden so am meisten motiviert.

Behauptet ein Unternehmen von sich, es arbeite agil, so ist damit eine sogenannte agile Haltung (=agiles Mindset) gemeint. Diese Haltung beschreibt die Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit, die Kundenzentriertheit des Unternehmens sowie den Umgang der Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern. In der freien Wirtschaft stellt die Agilität in vielerlei Hinsicht vor allem einen Faktor dar, der die Wettbewerbsfähigkeit sichert. Durch die Anwendung agiler Prinzipien entwickeln Unternehmen einen „Werkzeugkasten“ wie sie beispielsweise auf neue Technologien und Kundenbedürfnisse reagieren. Langfristig verschaffen sie sich hierdurch nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern sichern vor allem ihr wirtschaftliches Überleben.

Das Agile Manifest

Das "Agil-Schema" von Talcott Parson und die seit den 90er Jahren zunehmende Digitalisierung von Arbeitsprozessen lassen einen Rückschluss auf die Entstehung agiler Arbeitsmethoden zu. Beides liefert allerdings keine eindeutige und allgemein gültige Definition des Begriffs. Das sogenannte Agile Manifest von 2001 hat den Versuch unternommen, bestimmte Prinzipien und Werte für die Software-Entwicklung festzulegen:

MEHR WENIGER
Individuen und Interaktionen Prozesse und Werkzeuge
Funktionierende Software umfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem Kunden Vertragsverhandlung
Reagieren auf Veränderung das Befolgen eines Plans

 

Auch wenn die rechte Seite als wichtig erachtet wird, so liegt das Augenmerk eindeutig auf den Werten der linken Spalte.

Wie auch immer man den Begriff Agilität letztlich definiert, die theoretische und abstrakte Konzeption des Agil-Schemas und die heutige Verwendung des Begriffs „Agil“ haben eines gemeinsam: Es handelt sich um eine Beschreibung der Flexibilität einer Organisationseinheit hinsichtlich äußerer Veränderungen.

Auch wenn der Begriff der Agilität so aktuell erscheint, so „alt“ ist seine Geschichte und die Grundprinzipien auf denen er basiert. Die Weiterentwicklung dieser Prinzipien sowie die verschiedenen Rollen in einer agilen Organisation möchten wir Ihnen in den nächsten Beiträgen unserer Blogreihe „Agile Verwaltung“ erläutern. Im nächsten Beitrag stellen wir vor, wie das Thema Agilität bei der publicplan GmbH gelebt wird.