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Kurzinterviews zum Thema "Open Data", Teil 2: Köln und Offene Daten

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Kurzinterviews zum Thema "Open Data", Teil 2: Köln und Offene Daten

Autor
Dr. Christian Knebel
Datum

Unsere neue Reihe an Kurzinterviews zum Thema "Open Data" geht in die zweite Runde. Nachdem wir zuletzt mit Sebastian Askar zu "Open Data Berlin" sprachen, gingen unsere Fragen dieses mal an Marian Steinbach vom Projekt "Offenes Köln", der das Projekt ins Leben gerufen hat.

Startseite Offenes Köln

 

publicplan GmbH (PP): Vielen Dank Herr Steinbach, dass Sie sich die Zeit nehmen, unsere 5 Fragen zu beantworten und somit "Offenes Köln" uns und unseren Bloglesern genauer vorzustellen. Welche Open Data-Strategie verfolgen Sie mit Ihrem Projekt?

Marian Steinbach (MS): Das Ziel von "Offenes Köln" ist es, Inhalte, die von der Stadt Köln bereits zur Verfügung gestellt werden, so aufzubereiten, dass möglichst großer Nutzen für die Allgemeinheit entsteht. Momentan beschränkt sich das Projekt auf Inhalte aus dem Ratsinformationssystem, also aus der politischen Gremienarbeit. Zu der Aufbereitung gehört die Weitergabe sämtlicher Daten über eine Programmierschnittstelle (API), die von Dritten in jeglicher Form nutzbar ist. Die Überlegung dahinter ist, dass so ein möglichst breiter Kreis von Entwicklern und Anwendern eingeladen wird, die Daten und Inhalte nutzbringend zu verarbeiten. Denn ich bin momentan nur ein Einzelkämpfer und die Zeit, die ich zur Verfügung stellen kann, um Daten zu visualisieren, durchsuchbar zu machen, etc. ist sehr begrenzt.PP: Wie sehen Sie denn das Thema "Open Data" im Zusammenhang mit Open Government?

MS: Ich halte die Offenlegung von Daten für einen essentiellen Bestandteil, um Regierungs- bzw. Verwaltungshandeln transparent zu machen. Dabei lege ich großen Wert darauf, dass das Wörtchen "offen" sowohl in juristischer, als auch in technischer Hinsicht verstanden wird. Wenn Verwaltungen und Ämter, Regierungen und Ministerien die Daten aus ihrem Einflussbereich für jegliche Nutzung publizieren, wird in vielen Bereichen eine Meinungsbildung und fundierte Mitsprache erst ermöglicht. Open Government funktioniert nicht ohne die technische und rechtliche Transparenz, die das Wort "Open Data" umschreibt.

Screenshot Offenes Köln

PP: Folgen Sie bei "Offenes Köln" einem (Metadaten-)Standard zur Beschreibung der Datensätze?

MS: Die API von "Offenes Köln" gibt Daten im JSON-Format aus. Das Schema der Daten ist ein individuelles Format, das so nur bei Offenes Köln im Einsatz ist. Grund dafür ist, dass mir keine anwendbaren Standards bekannt sind. Aktuell arbeitet ein Student der FH Köln im Rahmen einer Bachelor-Arbeit an einem Linked Open Data Konzept für Offenes Köln.

Ergebnis dieser Arbeit könnte ein Vorschlag sein, wie man bestimmte Entitäten in den Daten, zum Beispiel Personen, Parteien, Ämter, Dezernate, Straßen oder Gebäude einheitlich kennzeichnet, so dass diese zuverlässig identifiziert werden können.

PP: Welche Software verwenden Sie für das Portal?

MS: Die Basis ist eine Eigenentwicklung auf Basis der Scriptsprache Python. Es kommen zahlreiche Bibliotheken und Werkzeuge, ausschließlich Open-Source-lizenziert, zum Einsatz.

PP: Das Thema "Open Data" steht ja aktuell noch am Anfang in Deutschland. Welche Perspektiven sehen Sie ganz speziell für Ihr Projekt in den kommenden Jahren?

MS: Meine Hoffnung ist, dass Offenes Köln als Ideengeber für die Entwickler und Abnehmer von Ratsinformationssystemen (RIS) wirkt. Die Stadt Köln gibt mir gegenüber an, Funktionalitäten von Offenes Köln in ihr RIS übernehmen zu wollen. Dabei ist sie allerdings, wie viele andere Kommunen, auf die Weiterentwicklung des Systems durch den Anbieter, in diesem Fall die Firma Somacos, angewiesen. Dieser sollte den Wünschen seiner Kunden gegenüber aufgeschlossen sein und damit Teile von Offenes Köln auf lange Sicht überflüssig machen.

Screenshot Offenes Köln

Offenes Köln könnte sich trotzdem, in Zusammenarbeit mit Entwicklern aus vielen anderen Städten, als Ergänzung zu den offiziellen Angeboten weiter entwickeln und Funktionalitäten bereit stellen, mit denen sich die Kommunen selbst möglicherweise schwer tun. Damit das funktionieren kann, muss Offenes Köln einerseits eine breitere Entwicklerbasis finden. Zweitens muss gewährleistet sein, dass die Städte und Kommunen ihre Daten tatsächlich unter offene Lizenzen stellen oder die Weiterveröffentlichung zumindest dulden, wie es in Köln der Fall ist.

PP: Herr Steinbach, vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten und weiterhin viel Erfolg mit "Offenes Köln".