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Kurzinterviews zum Thema "Städte2.0" - Teil 2: Die Stadt Frankfurt am Main und ihr Angebot im Social Web

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Kurzinterviews zum Thema "Städte2.0" - Teil 2: Die Stadt Frankfurt am Main und ihr Angebot im Social Web

Autor
Dr. Christian Knebel
Datum

Um das Thema "Städte2.0" bei uns im Blog weiter zu fokussieren, hatten wir vor einigen Wochen bereits 5 Fragen an Herrn Schröder der Stadt Moers gerichtert. Nun führen wir die Kurzinterviewreihe weiter und freuen uns, dass Herr Harald Ille von der Stadt Frankfurt am Main (welche auch schon länger im Web2.0 unterwegs ist und viele digitale Wege nutzt, um Bürger und Stadtinteressierte zu erreichen und mit Ihnen zu kommunizieren) bei jenen 5 Fragen ebenfalls Rede und Antwort stand. Harald Ille war auch einer der Kommentatoren, die sich beim Blogpost zur "Übersicht der 25 größten deutschen Städte im Social Web" zu Wort meldete. Weitere Interviews mit Vertreter/innen der Kommunen und Städte, die sich bereits mit dem Thema Social Media auseinandergesetzt haben, folgen. Aber nun zunächst einmal zu den Fragen an den Vertreter einer der größten Städte in Deutschland.

publicplan: Herr Ille, seit wann und auf welchen Plattformen ist die Stadt Frankfurt im Web2.0 aktiv vertreten? Und gibt es außerhalb vom Social Web weitere digitale Services für die Frankfurter Bürger und Stadtinteressierte?

Harald Ille: Los ging’s Ende Juni 2009 mit unserem Twitter-Kanal. Den Startschuss dazu hat unsere Oberbürgermeisterin selbst gegeben, was sehr wichtig war – denn dieses „Go“ von ganz oben hat alle Diskussionen in der Verwaltung, ob eine Verwaltung im Social Web überhaupt aktiv sein soll und darf, konstruktiv beendet. Das hat es uns leichter gemacht, acht Wochen später dann auch die Facebook-Fanpage einzurichten. In dieser Zeit haben wir auch angefangen, professionelle Videos zu drehen, wofür unser Amtsleiter Nikolaus Münster eine Redakteurin des Hessischen Rundfunks für die Filme einstellen und den Titanic-Herausgeber Oliver Maria Schmitt als Protagonisten gewinnen konnte.

Städteapp Frankfurt am Main Interviewreihe publicplan
Screenshot des Youtube-Kanals der Stadt Frankfurt am Main

 

Wir haben später im Jahr auch mit regionalen Location Based Services wie Dailyplaces.com und loca.li experimentiert. Und zur „Bahnhofsviertelnacht“ im August 2010 – die von der Facebook-Verantwortlichen Veronika Katic organisiert wird – haben wir zusammen mit Dailyplaces erstmals QR-Codes eingesetzt: 30 Orte, über deren Besonderheiten sich einige Besucher der Nacht mobil informieren konnten. Im Oktober 2010 haben wir dann zusammen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund und dem Frankfurter QR-Code-Experten Steffen Schilke die erste offizielle QR-Code-Schnitzeljagd durch die Innenstadt gestartet. Zur Frauen-WM diesen Sommer hat Nationalspielerin Kerstin Garefrekes, die ja im Hauptberuf bei der Stadt Frankfurt arbeitet, mit einem Geo-Caching-Spiel noch eins drauf gesetzt.

QR-Codes sind mittlerweile an einigen Kunstwerken im öffentlichen Raum dauerhaft angebracht, eine Stadtführung ist der logische nächste Schritt. Unsere Verkehrsbetriebe und der RMV setzen schon seit einiger Zeit auf „Near Field Communication“ (NFC) als moderne Art des Handy-Ticketings und setzen mit der Deutschen Bahn „Touch&Travel“ um. Hier tut sich also einiges.

Städteapp Frankfurt am Main Interviewreihe publicplan
Screenshot des Newsrooms der Stadt Frankfurt am Main

 

Ansonsten ist die Anzahl digitaler Services der Stadt mittlerweile so groß, dass man sie hier gar nicht alle aufzählen kann: Seit 2005 gibt das Presse- und Informationsamt zusammen mit dem größten Frankfurter Stadtmagazin „Journal“ einen wöchentlichen individualisierbaren Termin-Newsletter heraus, der auch im Corporate Design großer Frankfurter Unternehmen erscheint. Die Straßenverkehrsbehörde hat an neuralgischen Punkten der Stadt Webcams aufgebaut, die die dortige aktuelle Verkehrssituation live ins Netz streamen. Das Verkehrsdezernat hat eine „Meldeplattform Radverkehr“ im Mai 2010 eingerichtet, zuvor gab es einen Versuch mit einer „Wikimap“ für den Stadtteil Nordend… Wir müssten mal ein Wiki für all die Projekte einführen. ;-)

PP: Viele klasse Projekte, eine Übersicht ist dafür sicherlich gut. Welche Ansätze gibt es denn bei der Arbeit mit den neuen Kommunikationskanälen wie Facebook, Twitter und Co.? Und welche Ideen stecken dahinter?

HI: Wir wollen als Kommune ein Gesicht bekommen. Wir wollen zuhören und informieren. Dialogisch kommunizieren, um es akademisch zusagen. Oder ganz platt: „Wir wollen Euer Freund sein!“ Denn genau darum geht es: Ohne ein freundschaftliches Verhältnis auf der so oft beschriebenen Augenhöhe zwischen unseren „Stakeholdern“, den Bürgern, die uns bezahlen, und der Verwaltung, die ja aus Menschen aus Fleisch und Blut besteht, geht es nicht. Wir wollen, dass alle Frankfurterinnen und Frankfurter und alle Frankfurt Fans wissen: Wir kümmern uns. Wir informieren Euch. Wir geben Euch Grund, stolz auf und glücklich in dieser Stadt zu sein. Das ist ein sehr hehrer Anspruch, aber: Man muss ja ein Ziel haben.  

PP: Wohl war. Wie ist bislang die Resonanz auf den Plattformen? Welches waren die ersten Erfolge, die verzeichnet wurden?

HI: Die Resonanz ist überwältigend positiv. Das war und ist nicht zu erwarten. Aber sie ist der Beleg, dass der Freundschafts-Ansatz wohl nicht allzu falsch ist: Wer sich über „die Stadt“ oder „die Bürokratie“ zu Recht fürchterlich aufregt, kann über unsere Kanäle erstmal Luft ablassen und merkt dann, dass wir ernsthaft helfen möchten. Und in den allermeisten Fällen auch wirklich helfen konnten. Und die Wut weicht dann schnell. Ein großartiges Instrument, dieses Web 2.0, wirklich!

Städteapp Frankfurt am Main Interviewreihe publicplan
Screenshot der Facebook-Fanseite der Stadt frankfurt am Main

 

PP: Da geben wir Ihnen gerne Recht. Wie stark können denn die Bürger/innen der Stadt mit den Angeboten beteiligt werden? Sind dafür spezielle Themen seitens der Stadt definiert?

HI: Bürgerbeteiligung, e-Partizipation, ist ein großes Thema in Frankfurt. Wir haben erste sehr positive Erfahrungen damit im vergangenen Jahr gemacht mit unserem Integrationskonzept, das in weiten Teilen zusammen mit den Bürgern entstanden ist. Unser Bürgerhaushalt, der Ende dieses Jahres in die Beteiligungsphase kommt, zehrt sehr von den Erfahrungen, die mit „Vielfalt bewegt Frankfurt“ gemacht wurden. Und große Stadtplanungsprojekte wie der Kulturcampus Frankfurt, bei dem eine große innerstädtische Fläche der Frankfurter Universität frei wird, oder bei unserer Altstadtbebauung, setzen wir stark auf Bürgerbeteiligung – allerdings verstärkt auch offline, im direkten Gespräch mit den Bürgern von Angesicht zu Angesicht. Ein neuer Park am Osthafen ist über eine Onlinebefragung von den Bürgern mitentworfen worden, unser GrünGürtel wird ebenfalls weiterentwickelt mithilfe von Onlinebefragungen. „Wie wollen wir zukünftig in Frankfurt leben?“ Das ist die Frage, die die Verwaltung mit den Bürgern zusammen beantworten möchte.

PP: Soll das Angebot von "Frankfurt2.0" erweitert werden? In welche Richtung soll es zukünftig gehen und auf was können sich Fans und Follower freuen?

HI: Wenn man Kommunikation ernst nimmt, darf man nicht bei der Kommunikation stehen bleiben – eine banale, aber notwendige Erkenntnis. All die Anregungen, Beschwerden, Hinweise aus der Bevölkerung, die wir über unsere Kanäle erhalten, zeigen, wo die Bürger der Schuh drückt und was besser sein könnte: Eine neue Parkbank hier, eine breitere Radspur da, kürzere Ampelphasen dort. Ein Anliegen- und Beschwerdemanagement, das diese Anregungen umsetzt, wäre ein wichtiger nächster Schritt. Zudem möchten wir gerne unsere Follower und Fans auch ganz persönlich kennenlernen und ihnen Frankfurter Orte zeigen, zu denen  nur „wir“ die Schlüssel haben – dieses Angebot weiten wir künftig aus.

PP: Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank Herr Ille für die Beantwortung unserer Fragen.