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Kurzinterviews zum Thema "Städte2.0" - Teil 4: Die Stadt Bremen und ihr Angebot im Social Web

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Kurzinterviews zum Thema "Städte2.0" - Teil 4: Die Stadt Bremen und ihr Angebot im Social Web

Autor
Dr. Christian Knebel
Datum

Es geht weiter mit unserer Kurzinterviewreihe zum Thema "Städte2.0". Dieses Mal beantwortet uns Björn Körner von der Onlineredaktion der Stadt Bremen 5 Fragen zum Social Web-Auftritt der Stadt.

pubplicplan: Seit wann und auf welchen Plattformen ist Bremen im Web2.0 aktiv vertreten? Und gibt es weitere digitale Services für Bremer und externe Interessierte?

Björn Körner: Die bremen.online GmbH betreibt im Rahmen eines Auftrags zum Reputationsmanagement die offiziellen Präsenzen der Freien Hansestadt Bremen im Social Web. Auf Twitter ist der Account @bremen_de seit Mitte 2009 aktiv, die Fanpage auf Facebook wird seit Mai 2010 mit Leben gefüllt. Es gibt ferner offizielle Präsenzen auf Flickr und dem Social Bookmark Anbieter „Mister Wong“ aus Bremen. Diese Aktivitäten begleiten und promoten die Inhalte auf bremen.de, wo seit 1996 Informationen für Bürger, Wirtschaft und Touristen angeboten werden.

Bremen Interviewreihe publicplan 2011

 

PP: Welche Ansätze gibt es bei der Arbeit mit den neuen Kommunikationskanälen wie Facebook, Twitter und Co.? Welche Ideen stecken dahinter?

BK: Social Media bietet neue Möglichkeiten, mit Bürgern in Kontakt zu treten und Stadtmarketing zu betreiben. Schnelle Information auf Twitter steht dabei ebenso im Mittelpunkt wie verbesserte Bürgerbeteiligung auf Facebook. Wir möchten unsere Nutzerinnen und Nutzer gerne dort abholen, wo sie sich ohnehin vielfach aufhalten. Wir erreichen so eine weitere Zielgruppe, die sich auf dem Stadtportal www.bremen.de seltener bewegt. Direktes Feedback durch Interaktion gibt uns außerdem die Möglichkeit, Probleme zu identifizieren und die Angebote entsprechend zu verbessern. Wir verfolgen mit unseren Präsenzen nicht das Prinzip der Fan- und Followermaximierung, sondern versuchen, qualitativ hochwertige Beiträge mit einem hohen Grad an Interaktion zu erzielen. Die Agenda bestimmen dabei nicht nur wir - auch unsere Fans und Follower können Themen setzen und in der Community diskutieren.

PP: Wie ist bislang die Resonanz auf den Plattformen? Welches waren die ersten Erfolge, die verzeichnet wurden?

BK: Die Resonanz ist gemessen an unserem Leitbild „Qualität statt Quantität“ außerordentlich gut. Auch durchaus brisante Themen wie die umstrittene Bebauung des Bahnhofsvorplatzes oder Demonstrationen und Gegendemonstrationen der extremen politischen Flügel können thematisiert werden und führen zu konstruktivem Austausch der Nutzerschaft untereinander. Wir beobachten häufig, dass sich die Community bei Disputen selbst reguliert und so ein aktives Eingreifen durch uns gar nicht nötig wird. Von „ersten Erfolgen“ möchten wir gar nicht sprechen - unsere Fans und Follower bestätigen uns in unserem Tun nämlich tagtäglich. Erfolge können wir uns deshalb auch nicht auf die eigene Fahne schreiben. Ohne aktive Mitwirkung wären unsere Präsenzen im Social Web leb- und somit auch sinnlos.

Bremen Interviewreihe publicplan 2011

 

PP:  Wie stark können die Bürger/innen der Stadt mit den Angeboten beteiligt werden? Sind dafür spezielle Themen seitens der Stadt definiert?

BK: Wie erwähnt ist die verbesserte Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ein wesentliches Element unserer Arbeit im Social Web. Die Bereitstellung konkreter Themen inklusive eines Rückkanals, über den Fragen der Fans und Follower beantwortet und Anregungen aufgenommen werden können, ist derzeit aber noch nicht vollständig umgesetzt. Wir greifen deshalb aktuell noch vermehrt ad-hoc nutzergenerierte Themen auf und leiten diese dann an die Bürgerbeauftragten der Ressorts weiter bzw. verweisen direkt dorthin. Eine Verstetigung der Strukturen ist aber beabsichtigt. Wir begreifen Twitter dabei eher als Ankündigungsmedium, und auch Facebook möchten wir für konkrete politische Bürgerbeteiligung eher begleitend einsetzen. Neben Fragen des Datenschutzes stellt sich grundsätzlich auch die Frage, ob nicht die „ausgewachsenen“ Tools zur Bürgerbeteiligung, bspw. Adhocracy, zielführendere Möglichkeiten bieten. Wir möchten mit unserer Arbeit im Social Web Grundsteine und Ankerpunkte setzen, um die Bürgerbeteiligung in Bremen zu verbessern.

PP: Soll das Angebot im Bereich Social Media und andere digitale Technologien erweitert werden? In welche Richtung soll es zukünftig gehen und auf was können sich Fans und Follower freuen?

BK: Das Social Web ist immer in Bewegung. Langfristige Prognosen möchten wir deshalb nicht treffen, aber kurz- und mittelfristig stehen uns spannende Veränderungen bevor. Die Datenschutzdebatte bezüglich Facebook, die in Deutschland und der EU geführt wird, beschäftigt Bremen selbstverständlich auch. Als offizielle Vertretung der Stadt Bremen möchten wir datenschutz- und rechtskonforme Angebote bereitstellen. Die kritischen Fragen zum Datenschutz sehen wir deshalb durchaus positiv und stehen in konstruktiven Gesprächen mit der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit.

Sobald Google+ die Unternehmensseiten bereitstellt, werden wir uns auch dort Accounts sichern und ggf. direkt bespielen, wenn die datenschutzrelevanten Fragen hinreichend geklärt sind. Wir prüfen ferner, ob und wie wir Location Based Services sinnvoll für Bürger und Verwaltung erschließen können, ohne uns dabei in rechtlichen Aspekten zu verstricken.

Im Zuge der Realisisierung von „Open Data“ und dem in Bremen bereits gelegten Grundstein „Informationsfreiheitsgesetz“ werden wir in den kommenden Monaten weitere Datenquellen für Dritte bereit stellen. Elemente des Social Web sollen dort begleitend eingesetzt werden, um Bürgerinnen und Bürgern die neuen Möglichkeiten aufzuzeigen.

Generell sind wir bestrebt, unseren Fans und Followern auch weiterhin einen Mehrwert im Social Web zu bieten. Ob ängstlichen Nutzern bei Gewitter ein kleines Forum geboten wird, um sich abzulenken, oder Fans sich auf unserer Pinnwand zum gemeinsamen Wasserschöpfen nach Starkregen verabreden - unsere Angebote sollen auch weiterhin nicht nur ein weiteres offizielles Sprachrohr sein, sondern von und mit Bremerinnen und Bremern mit Leben gefüllt werden.

PP: Herr Körner, vielen Dank für die spannenden Antworten!