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Was wir aus der neuen Strategie zum Portalverbund lernen können

Autor
André Claaßen
Datum

Nach dreijähriger Entwicklungsarbeit wird das Herzstück des geplanten Portalverbundes, die Verknüpfung der Verwaltungsdienste, aufgegeben. Der Portalverbund wird damit zur Suchmaschine für Verwaltungsleistungen reduziert. In diesem Artikel schauen wir auf die Gründe und Chancen, die sich aus dieser Entscheidung ergeben.

 

Portalverbund: Blick auf den Bundestag
© Sinha - stock.adobe.com

Nicht nur wegen Corona: Digitalisierung tut Not

Die gegenwärtige Corona-Krise wirft ein Schlaglicht auf den Zustand unserer digitalen Verwaltung: Während große Teile der Wirtschaft im Homeoffice einigermaßen arbeitsfähig sind, melden Gesundheitsämter ihre Daten per Fax, erhalten Schulen Datenschutzhinweise, statt funktionierende Lernplattformen und die oft fehlende digitale Aktenführung verhindert für Mitarbeiter der Verwaltung eine wirkungsvolle Arbeit aus dem Homeoffice heraus.

Genau aus diesen Gründen sind Initiativen wie das Onlinezugangsgesetz (OZG) und die technische Realisierung durch den Portalverbund von so hoher Bedeutung. Die Digitalisierung der Verwaltungsleistungen ist heute wichtiger denn je.

Der Portalverbund schrumpft zur Suchmaschine

Das technische Herzstück des OZG war der Portalverbund, also die Verknüpfung aller bestehenden Verwaltungsportale. Dieser Portalverbund sollte ursprünglich aus zwei Komponenten bestehen:

  1. Eine dezentral von den Ländern betriebene Komponente zum Suchen und Finden von Verwaltungsleistungen.
  2. Eine föderale Dienste- und Datenplattform, die bundesweit den einheitlichen Zugriff auf alle Verwaltungsangebote ermöglicht hätte. Mit dieser Funktion wäre auch das Problem der fehlenden zentralen Register gelindert worden.

Am 25.3.2020 teilte der IT-Planungsrat mit, dass nach drei Jahren Entwicklungsarbeit und mehrfachen Terminverschiebungen der Portalverbund in seiner ursprünglichen Form aufgegeben wird. Die föderale Dienstplattform entfällt und der Suchdienst wird künftig zentral betrieben. Die für das europäische Single Digital Gateway (SDG) erforderlichen Anpassungen fehlen noch vollständig und müssen jetzt bis zum 31.12.2020 realisiert werden.

Als Gründe für diese Entscheidung benennt der IT-Planungsrat eine unerwartet hohe technische Komplexität, die föderale Architektur und ein zu spät erarbeitetes Sicherheitskonzept. Das zeigt, dass große IT- und Digitalisierungsprojekte nicht trivial sind. Oft wird unterschätzt, wie gering der Anteil von Technik am Projekterfolg ist. Er ist eher abhängig von der Transparenz, der direkten Kommunikation und klaren Projektzielen. Auch der in Deutschland immer wieder als Hemmnis thematisierte Föderalismus ist weder neu noch ein echtes Problem. Er sollte daher nicht immer wieder in der Technik neu abgebildet werden.

Open Source statt proprietärer Lösungen

Die größten Risiken für Digitalisierungsvorhaben entstehen, wenn diese als geschlossene und proprietäre Lösung neu entwickelt werden:

  • Proprietäre Lösungen sind oft nur für die direkt am Projekt beteiligten Experten einsehbar und verständlich. Die Kommunikation mit der Außenwelt ist reglementiert und dementsprechend fehlt erforderliches Feedback und Innovation. Das Ergebnis sind Projektverzüge oder Konzeptionsfehler.
  • Auch proprietäre Software basiert heute auf Open-Source-Basisprodukten. Aber nur die Bereitstellung der finalen Lösung als Open Source führt zur Mobilisierung der Entwicklergemeinschaft. So hat beispielsweise die Community der Open-Source-Plattform Matrix den französischen Staat in Punkten wie Sicherheit und Skalierung stark unterstützt.
  • Geschlossene Lösungen verhindern eine Beteiligung von Dritten wie Länder, Kommunen, Bürger und Unternehmen. Dadurch lastet die Realisierung oft auf zu wenigen Schultern, denn selbst große Dienstleister können nur eine begrenzte Entwicklungskraft aufbringen.

Wie könnte es besser gehen? Hier ist die freie Digitalwirtschaft ein interessantes Vorbild für unsere Verwaltung, denn diese stellt seit Jahren konsequent ihre Basiskomponenten auf Open Source. Viele Fortschritte in der jüngsten Zeit, vom Cloud-Computing bis zum maschinellen Lernen, wären ohne Open Source gar nicht möglich gewesen.

Ein großer Hebel für erfolgreiche Digitalisierungsprojekte ist die Schaffung von Transparenz. Neue Digitalprojekte brauchen häufige Feedback- und Lernschleifen. Agile Vorgehensweisen helfen aber nur, wenn vollständige Transparenz über das Projektgeschehen für alle Beteiligten sichergestellt ist.

Eine Möglichkeit zur Schaffung von Transparenz ist die gemeinsame Nutzung und Bereitstellung von Lösungen als Open Source. Wenn die gesamte föderale Verwaltung und vielleicht sogar Teile der Zivilgesellschaft zur Mitarbeit eingeladen werden, dann wird der Kreis der Beteiligten ungleich größer. Fehler werden schneller erkannt und neue Ideen eher umgesetzt.

Einige Beispiele dazu aus jüngerer Vergangenheit:

  • Nachdem der französische Staat bereits das Open Source Projekt Matrix zur Kommunikation seiner geschätzt 5,5 Millionen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst einsetzt, stellt jetzt auch die Bundeswehr ihre interne Kommunikation auf Matrix um.
  • Die Niederlande haben beschlossen, dass bei steuerfinanzierter Software grundsätzlich offene Lösungen bevorzugt werden. Eigenentwicklungen des Landes werden künftig als Open Source bereitgestellt. Auch Großkommunen wie Dortmund und München bekennen sich klar zu dieser Strategie.
  • Österreich hat seine App zur Nachverfolgung der Corona-Infizierten bereits am 24.4.2020 als Open Source zur Verfügung gestellt. Deutschland wird laut Beschluss vom 6.5.2020 folgen und seine noch zu entwickelnde Lösung ebenfalls als Open Source veröffentlichen.

Eines steht fest: Es ist Bewegung in die Frage zur Nutzung von offenen Lösungen gekommen. Daher ist es aus unserer Sicht gut möglich, dass künftig auch digitale Großprojekte der Verwaltung als Open Source bereitgestellt werden.

Unsere Empfehlung: Achten Sie auf Open Source

Das Geheimnis des Erfolges von Open Source liegt in der Bildung von Entwicklungsgemeinschaften, die unabhängig von Projekten oder kommerziellen Interessen für eine langlebige und dauerhafte Fortentwicklung sorgen. So entwickelte Lösungen ermöglichen ein schnelles Feedback zwischen Entwicklern und Nutzern. Die Offenheit und Transparenz der Lösungen schaffen Vertrauen und Sicherheit für Anwender und Nutzer. Und ausschließlich Open-Source-Lösungen verfügen über eine Investitionssicherheit, die eine langfristige Nachnutzbarkeit Ihrer Digitalprojekte ermöglicht.

Sie interessieren sich für Open-Source-Lösungen für die öffentliche Verwaltung? Sprechen Sie uns gerne an.

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